Die richtigen Worte finden
Ein hypothetisches Fallbeispiel

Es klingelt. Dein Hund rennt “wütend” bellend zur Tür und Du weißt, wenn Du jetzt die Haustür öffnest, wird der Hund vollkommen ausrasten. Hier wäre zuerst das Wort “wütend” zu betrachten.
Ist Dein Hund wütend? Oder bist Du wütend?
Warum? Weil es geklingelt hat oder weil Dein Hund bellt? Hast Du das Wort wütend in das Bellen Deines Hundes hineininterpretiert? Was in Dir bewirkt, dass Du das Bellen als wütend empfindest? Die Frequnz des Bellens? Die Lautstärke? Der Gesichtsausdruck ? Die Körperhaltung, die Körperspannung? Bleibst Du bei dem Wort “wütend” oder versperrt es uns den Weg, den Grund des Bellens herauszuspüren? Welche Motivation hat Dein Hund? Bellt der Hund, weil es geklingelt hat? Klingeln kann ein sehr neutraler Reiz sein. Klingeln muss für sich betrachtet kein Grund sein zu bellen. Es sei denn, der Klingelton ist extrem unangenehm für den Hund? Die starke Reaktion des Hundes kommt möglicherweise durch frühere Erfahrungen mit Klingel‐und-Tür-Erlebnissen. Verbindest Du etwas Unangenehmes damit, wenn jemand klingelt? Fast alle Mitbewohner haben einen Schlüssel und wenn es klingelt, handelt es sich um einen Fremden? Um den Postboten, den Handwerker, Besuch? Bist Du in der Stimmung für Besuch? Freudig, aufgeregt oder aufgewühlt oder unlustig? Hat das Klingeln Dich aufgeschreckt und aus Deiner Ruhe herausgerissen?
Der Hund nimmt Deine Stimmung wahr und versucht, Dich zu unterstützen.
Er bellt für Dich. Sein Bellen kann heißen: “Es hat geklingelt, hast Du das auch gehört?” “Da ist ein Fremder, soll ich den verscheuchen oder machst Du das? “Lass es ruhig mich machen, ich kann das gut. Ich halte Dir alle vom Leib.” “Da ist schon wieder jemand an unserer Haustür, ich werde den sofort verscheuchen, so dass er nie, nie wieder kommt, ich mach das für Dich!” oder: “Jippi, jippi, da kommt jemand, juchhu, spielen, knuddeln, mach endlich auf, schnell, mach doch endlich auf, Du bist viel zu langsam, beeil Dich, mach schon, lass ihn schnell rein.” Wie kannst Du nun reagieren? Wie kannst Du jetzt mit Deinem Hund reden? Zunächst einmal: “Danke”. Der Hund macht das für Dich. “Danke, dass Du mir Bescheid gesagt hast, ich hätte das Klingeln nicht gehört. “Danke, dass Du Bescheid gesagt hast, ich habe es auch gehört und ich kümmere mich nun darum.” “Danke, dass du mir den Besuch vom Hals halten möchtest, aber ich bin verabredet und ich freue mich jetzt darauf. Ich bin zwar aufgeregt, aber ich komme damit klar. Ich kümmere mich selber um mich.”
“Danke, für Dein Angebot, mir beizustehen, aber ich schaffe das alleine, wenn ich Dich brauche, gebe ich Dir Bescheid.”
“Danke, dass Du für mich in solch eine Aufregung gerätst. Jetzt brauche ich Dich ruhig. Dann kann ich die Tür öffen. Ich habe alles im Griff.“ Möglicherweise wird Dein Hund nun überrascht sein, weil Du Dich alleine der Aufgabe stellen willst. Er wird nachhaken, ob Du nicht doch seine Unterstützung brauchst. Aber durch das Danke wird er sich abgeholt fühlen. Gewertschätzt. Durch das Danke, gehst Du nicht in den Kampf mit ihm, Du bist nicht gegen ihn, Du willst nicht sein Verhalten maßregeln und wegmachen. Du bist ihm verbunden. Das Wort Danke strahlt alle Dankbarkeit dafür aus, was Dein Hund bereit ist, für Dich zu tun. Der Hund wird nach und nach an Dich abgeben lernen. Er wird Dir zutrauen, dass Du alleine die Tür öffnen kannst, ohne, dass er Dir zu Hife kommen muss. Je sicherer Deine Stimme ist und je deutlicher Du hinter Deinen Worten stehen kannst, wird Dein Hund sich entspannen können und Dir vertrauen, dass Du die richtigen Entscheidungen treffen wirst. Dass Du ein Eintscheidungsträger bist.
Zusammenfassung
Warum sind Worte wichtig?
Hunde spüren die Energie unserer Worte – Klarheit in der Sprache führt zu mehr Vertrauen und Verbindung.